Wie südmährisch war Hugo Lederer?

von Gerold Preiß

Anlässlich der unter Aktuelles erwähnten Ausstellung in Retz interessierte uns die Frage neu, wie sehr Hugo Lederer durch seine Geburtsheimat geprägt war. Er erfuhr dort eine erstaunliche Grundbildung. Die für ihn wohl umfassend entscheidende Ausbildung fand in der Fachschule für Ton-Industrie etc. statt. Sie war eine führende Einrichtung zur Habsburger Zeit und wurde sofort nach Gründung der Tschechischen Republik nach Prag verlegt. Seine erstaunliche Verehrung Bismarcks ist wohl nicht nur familienbezogen, lässt sich auch nur an wenigen Äußerungen belegen, ist aber dokumentiert durch seine immer wiederkehrenden Bemühungen um Kontakte auch mit der Familie Bismarcks bis hin zu seinen zwei Denkmälern (s. 2.1900.05. Barmen/Wuppertal und 2.1906.02. Hamburg sowie die Köpfe der Bismarcktürme 2.1908.11.), und entstammen wohl dem hervorragenden Eindruck, den Bismarcks Truppen in Südmähren 1866 hinterließen. Das wirkte weniger militärisch denn menschlich und national. Die heftige Auseinandersetzung zwischen den Nationalitäten fand erst später statt – zumindest in Südmähren. Krey schreibt da:

Der Vorwurf für seine Plastiken war Lederer stets die reine Natur [...]. Diese Verbundenheit mit der Natur verdankt Lederer seinem tiefen Heimaterlebnis [...]. - (an anderer Stelle:) Die großen landschaftlichen Reize des welligen, rebenbekränzten Hügellandes in Südmähren, die malerischen Bilder in der unmittelbaren Umgebung von Znaim [...] erweckten schon von früh auf in dem Knaben ein besonderes Gefühl [...] der Naturverbundenheit.- Wie seine engeren südmährischen Landsleute ist Hugo Lederer von Natur aus weich veranlagt. Die Znaimer neigen in ihrem Naturell sehr den Wienern zu, sie sind gesellig, lebendig und temperamentvoll [...]. (Das Volkstumsgefühl) ist in diesen Menschen seit jeher als Grenzbewußtsein [...] lebendig gewesen [...]. Auch in dem jungen Lederer lebte dieses Gefühl nur im Instinkt, denn in seinen Kreisen standen die Probleme der Nationalitätenkämpfe nicht zur Diskussion; [...].

Krey muss in Gesprächen mit Lederer dessen enge Beziehung zur Landschaft und Stadt seiner Kindheit und wohl insbesondere seiner Familie herausgehört haben, sonst hätte er nicht so schreiben können. Und irgendwie war Lederers Kindern auch klar, dass sein Werk nach Znaim gehört, was ja nun bis heute so ist und erfreulich gepflegt wird! Wir haben das Lederer-Zimmer in der Burg besuchen dürfen und können es nur zum Besuch empfehlen!

Zur künstlerischen Entwicklung Hugo Lederers schreibt Krey in diesem Artikel:

Als der 22 jährige Lederer 1893 nach Berlin kam, stand das dortige bildhauerische Schaffen vollkommen im Bann der zwingenden Persönlichkeit von Reinhold Begas [...]. Die Plastik geriet unter den Schülern von [...] Begas in das Stadium einer zerflatternden, kunstgewerblichen Spielerei [...].

Um die letzte Jahrhundertwende setzte [...] eine als heißer Kampf geführte Gegenbewegung ein, deren Führerpersönlichkeit Adolf Hildebrand in München war [...]. Durch ein geistiges Prinzip, durch die Fixierung von unumstößlichen Gesetzen für die plastische Form wurde Hildebrand Verkünder einer monumentalisierenden Formgebung.

Und eine dritte überragende Persönlichkeit tauchte zu diesem Zeitpunkt in der Berliner Sezession auf: August Rodin.

[...]

Zwei Meister aber hat Lederer mit der ganzen Kraft seines Herzens geliebt, ihre Leistungen, ihre unerreichbare Größe waren sein Ansporn: Michelangelo und Rodin.

Diesen Sätzen Kreys ist wohl nichts hinzuzufügen und auch Interna, die manchem Beurteiler in seiner kunsthistorischen Beurteilung entgangen sind. Krey mag in manchem seiner Schriften – v. a. bei Zeitangaben – ungenau gewesen sein, er zeigt sich nach wie vor als einer der besten Kenner des Wirkens Hugo Lederers.